LYMPHÖDEM: URSACHEN, PATHOPHYSIOLOGIE, DIAGNOSE UND THERAPIE

Lymphödem-Ratgeber Lymphödem: Ursachen, Krankheitsverlauf, Diagnose und Therapie Ein Lymphödem ist nicht einfach nur eine Schwellung. Es ist eine chronische Erkrankung des Lymphsystems, die sich mit der Zeit verschlechtern kann. Deshalb sind eine frühe Diagnose, eine konsequente Therapie und ein gutes langfristiges Selbstmanagement wichtig. In diesem Artikel erklären wir, wodurch ein Lymphödem entstehen kann, wie es sich entwickelt, wie es erkannt wird und welche Therapien helfen können, den Verlauf zu verlangsamen oder zu stabilisieren. Von Ynone Team • Medizinische Aufklärung • 12 Minuten Lesezeit In diesem Artikel Was ein Lymphödem ist Ursachen und Einteilung Wie das Lymphsystem funktioniert Was bei einem Lymphödem im Körper passiert Die Stadien des Lymphödems Diagnose Komplexe Physikalische Entstauungstherapie Kompressionstherapie Infektionen und Hautpflege Selen und Unterstützung des Immunsystems Patient:innenaufklärung und langfristiges Management Quellen und Referenzen Was ein Lymphödem ist Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung des Lymphsystems. Es entsteht, wenn das Lymphsystem nicht mehr genug Lymphflüssigkeit abtransportieren kann. Dadurch sammelt sich eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe. Das führt zu dauerhaften Schwellungen, Entzündungen, Verhärtungen des Gewebes und einem höheren Risiko für Infektionen. Ein Lymphödem verschwindet nicht von allein. Anders als manche anderen Schwellungen ist es nicht nur vorübergehend. Wenn es einmal entstanden ist, braucht es meist ein lebenslanges Management. Am häufigsten betrifft ein Lymphödem Arme oder Beine. Es kann aber auch am Rumpf, am Kopf, am Hals oder im Genitalbereich auftreten. Wenn ein Lymphödem nicht oder nicht ausreichend behandelt wird, kann sich das Gewebe mit der Zeit verändern. Die Haut kann dicker werden, das Gewebe kann verhärten und Bewegungen können schwerer fallen. Das kann die Lebensqualität deutlich einschränken. Ursachen und Einteilung Ein Lymphödem wird in zwei Hauptformen eingeteilt: primäres Lymphödem und sekundäres Lymphödem. Primäres Lymphödem Ein primäres Lymphödem entsteht durch angeborene oder genetische Veränderungen des Lymphsystems. Dabei können Lymphgefäße oder Lymphknoten nicht vollständig entwickelt sein, fehlen oder anders aufgebaut sein als normalerweise. Ein primäres Lymphödem kann bereits bei der Geburt sichtbar sein. Es kann aber auch erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter auftreten. Häufig sind die Beine betroffen. Oft beginnt die Schwellung weiter unten, zum Beispiel am Fuß oder am Knöchel, und breitet sich mit der Zeit nach oben aus. Sekundäres Lymphödem Ein sekundäres Lymphödem entsteht, wenn ein zuvor funktionierendes Lymphsystem geschädigt wird. In Industrieländern passiert das häufig nach Krebsbehandlungen. Dazu gehören zum Beispiel Operationen, bei denen Lymphknoten entfernt werden, oder eine Strahlentherapie. Weitere mögliche Ursachen sind Verletzungen, Verbrennungen, wiederholte Infektionen, Entzündungen, Tumoren, die Lymphbahnen zusammendrücken, oder in manchen Regionen parasitäre Infektionen wie Filariose. Wenn keine klare Ursache gefunden wird, spricht man von einem idiopathischen Lymphödem. Wie das Lymphsystem funktioniert Das Blut versorgt unser Gewebe ständig mit Sauerstoff und Nährstoffen. Gleichzeitig werden Abfallstoffe abtransportiert. Ein Teil der Flüssigkeit aus dem Blut gelangt in das Gewebe. Etwa 90 % dieser Flüssigkeit wird direkt wieder über die Venen aufgenommen. Die restlichen etwa 10 % bleiben zunächst im Gewebe. Das sind ungefähr 6 bis 10 Liter Flüssigkeit pro Tag. Diese Flüssigkeit muss vom Lymphsystem aufgenommen und zurück in den Blutkreislauf gebracht werden. Diese Flüssigkeit nennt man Lymphe. Sie enthält unter anderem Eiweiße, Fette, Immunzellen, Zellreste, Mikroorganismen und Fremdstoffe. Das Lymphsystem beginnt mit sehr feinen Lymphkapillaren im Bindegewebe. Von dort wird die Lymphe über größere Lymphgefäße und Lymphknoten weitertransportiert und schließlich zurück in den Blutkreislauf geleitet. Das Lymphsystem ist nicht nur für den Flüssigkeitstransport wichtig. Es spielt auch eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Die Lymphknoten wirken wie Filterstationen. Dort werden Krankheitserreger und Fremdstoffe erkannt und bekämpft. Was bei einem Lymphödem im Körper passiert Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem weniger Flüssigkeit abtransportieren kann, als im Gewebe anfällt. Das kann passieren, wenn Lymphgefäße geschädigt sind, nicht richtig funktionieren oder nicht vollständig entwickelt sind. Wenn die Lymphe nicht ausreichend abfließen kann, sammelt sich eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe. Diese Eiweiße lösen eine dauerhafte Entzündungsreaktion aus. Dadurch werden bestimmte Zellen im Gewebe aktiviert. Mit der Zeit kann das Gewebe härter werden. Das nennt man Fibrose. Auch Fettgewebe kann sich im betroffenen Bereich vermehrt einlagern. Deshalb wird ein Lymphödem im Verlauf oft fester, weniger eindrückbar und schwerer zu behandeln. Wichtig: Entwässerungstabletten helfen bei einem Lymphödem in der Regel nicht. Sie entfernen zwar Wasser, aber nicht die Eiweiße aus dem Gewebe. Dadurch können sie die Gewebeveränderungen sogar verschlechtern. Die Stadien des Lymphödems Ein Lymphödem entwickelt sich in verschiedenen Stadien. Latentes Stadium In diesem frühen Stadium ist das Lymphsystem bereits geschädigt. Es ist aber noch keine sichtbare Schwellung vorhanden. Spezielle Untersuchungen können zeigen, dass der Lymphtransport bereits eingeschränkt ist. Rückbildungsfähiges Stadium In diesem Stadium ist eine weiche Schwellung sichtbar. Wenn man auf die Haut drückt, kann eine Delle entstehen. Das nennt man Fovea-Zeichen. Durch Hochlagern des betroffenen Arms oder Beins kann die Schwellung vorübergehend zurückgehen. Spontan irreversibles Stadium Mit der Zeit nimmt die Verhärtung des Gewebes zu. Die Schwellung geht durch Hochlagern nicht mehr vollständig zurück. Eine Delle bei Druck ist oft nur noch schwer oder gar nicht mehr sichtbar. Elephantiasis Dies ist das am weitesten fortgeschrittene Stadium. Die Schwellung ist sehr stark. Die Haut ist deutlich verändert. Es kann zu starken Bewegungseinschränkungen und großen Umfangszunahmen kommen. Diagnose Die Diagnose eines Lymphödems erfolgt vor allem durch ein ärztliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Dabei wird gefragt, wann die Schwellung begonnen hat, ob es Operationen, Bestrahlungen, Infektionen oder andere mögliche Auslöser gab und wie sich die Beschwerden im Alltag zeigen. In unklaren Fällen können bildgebende Verfahren helfen. Dazu gehören zum Beispiel Lymphszintigraphie oder Indocyaningrün-Lymphographie. Ultraschall oder MRT können helfen, andere Ursachen auszuschließen. Dazu gehören zum Beispiel Venenerkrankungen oder Tumoren. Komplexe Physikalische Entstauungstherapie Die wichtigste anerkannte Therapie beim Lymphödem ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Sie besteht aus vier wichtigen Bausteinen: Manuelle Lymphdrainage Kompressionstherapie Bewegungstherapie Sorgfältige Hautpflege Diese Bausteine wirken zusammen. Deshalb sollten sie regelmäßig und gut aufeinander abgestimmt angewendet werden. Manuelle Lymphdrainage Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle therapeutische Technik. Sie soll den Lymphabfluss anregen. Wichtig ist: Eine gute Lymphdrainage beginnt immer zentral, also im Bereich des Halses. Dort liegen wichtige Stellen, an denen die Lymphe wieder in den Blutkreislauf gelangt. Wenn zuerst die zentralen Lymphwege vorbereitet werden, kann Flüssigkeit aus den weiter entfernten Bereichen besser abfließen.

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